Quelle: Fotolia / Andrew Barker
Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) hat heute eine öffentliche Marktkonsultation zur geplanten Förderung von strombasiertem erneuerbarem Kerosin (electricty-based Sustainable Aviation Fuel, eSAF) gestartet. Ziel ist es, den Markthochlauf klimafreundlicher Flugkraftstoffe zu beschleunigen und Investitionshemmnisse abzubauen. Hierfür stellt das BMV Fördermittel in Höhe von bis zu 2 Milliarden Euro bereit.
Erneuerbares Kerosin auf Basis von grünem Wasserstoff und nachhaltigem Kohlenstoff gilt als wichtiger Baustein für die Transformation der Luftfahrt hin zur Klimaneutralität. Zugleich leistet eine Produktion in Europa einen zentralen strukturellen Beitrag für mehr Unabhängigkeit bei der langfristigen Versorgung mit Flugkraftstoffen. Die eSAF-Förderung des BMV ist das erste Projekt im Rahmen der europäischen eSAF Early Movers Coalition und soll anderen Mitgliedsstaaten als Blaupause für weitere Förderprogramme dienen.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder:
Mit dem Start der Marktkonsultation nehmen wir einen wichtigen Schritt auf den Weg zur Förderung des Markthochlaufs von strombasiertem Kerosin. Wir setzen ein klares Signal: Deutschland übernimmt Verantwortung für den klimaneutralen Luftverkehr. Die Förderung von eSAF in einer frühen Phase des Markts schafft Planungssicherheit und Preistransparenz für die Marktteilnehmer. Zudem stärken wir langfristig die Resilienz Europas gegenüber knapper werdenden Rohstoffen. Deutschland wird so seiner Vorreiterrolle in der Energiewende der Luftfahrt gerecht.
Innovativer Fördermechanismus für mehr Planungssicherheit
Die Herstellung von eSAF im industriellen Maßstab erfordert erhebliche Investitionen. Gleichzeitig bestehen derzeit noch Unsicherheiten auf der Nachfrageseite, etwa durch fehlende langfristige Abnahmeverträge. Die Förderung des BMV setzt gezielt an diesen Herausforderungen an.
Kern des Förderdesigns ist ein sogenannter Doppelauktionsmechanismus, der auf dem H2Global-Instrument basiert. Dabei werden langfristige Abnahmeverträge mit Produzenten von eSAF sowie kurzfristige Verkaufsverträge mit Kraftstoffinverkehrbringern kombiniert. Ein Intermediär gleicht die Differenz zwischen den jeweils wettbewerblich ermittelten Angebots- und Nachfragepreisen aus
Deutschland nimmt damit eine Vorreiterrolle in der durch den Sustainable Transport Investment Plan (STIP) initiierten „eSAF Early Movers Coalition“ ein. Eine Beteiligung weiterer Staaten an der Förderung wird derzeit geprüft.
Marktkonsultation als Grundlage für weiteres Verfahren
Zum vorgesehenen Förderdesign sind Unternehmen und weitere Marktteilnehmer eingeladen, im Rahmen der nun gestarteten Konsultation ihre Einschätzungen und Erfahrungen einzubringen. Die Ergebnisse fließen in die weitere Ausgestaltung der Förderung sowie in das beihilferechtliche Notifizierungsverfahren bei der Europäischen Kommission ein.
Eine detaillierte Beschreibung des Förderansatzes sowie ein Fragebogen stehen in englischer Sprache online zur Verfügung. Beiträge können bis zum 30.06.2026 eingereicht werden.
Hintergrund: Strombasiertes erneuerbares Kerosin (eSAF)
Strombasiertes erneuerbares Kerosin – auch als eSAF oder Power-to-Liquid (PtL)-Kerosin bezeichnet – wird aus Wasserstoff und Kohlenstoff hergestellt. Der Wasserstoff wird mittels Elektrolyse erzeugt, während der Kohlenstoff aus nachhaltigen Quellen stammt, beispielsweise aus biogenen Prozessen. Wird für die Herstellung erneuerbarer Strom eingesetzt, kann das entstehende Kerosin über den gesamten Lebenszyklus hinweg weitgehend klimaneutral sein.
Gerade im Luftverkehr bleibt der Bedarf an flüssigen Energieträgern auf absehbare Zeit bestehen, insbesondere im Langstreckenbereich. Strombasierte Kraftstoffe bieten hier eine zentrale Dekarbonisierungsoption. Zudem können bestehende Infrastrukturen für Transport, Speicherung und Nutzung weiterhin verwendet werden.