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Die anhaltende außergewöhnliche Niedrigwasserlage an den Bundeswasserstraßen (insbesondere am Rhein) stellt Binnenschifffahrt, Industrie und Logistik weiterhin vor große Herausforderungen. Bund und Länder haben sich deshalb heute über die aktuelle Situation und weitere kurzfristige Maßnahmen ausgetauscht. Ziel ist es, Lieferketten und Produktionsprozesse auch bei weiter niedrigen Wasserständen bestmöglich aufrechtzuerhalten und Ausweichverkehre auf Straße und Schiene zu erleichtern.
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger:
Ich bin den Ländern dankbar für den sehr konstruktiven Austausch zur aktuellen Niedrigwasserlage. Wir begegnen der Herausforderung im engen Schulterschluss zwischen Bund und Ländern. Die nächsten Wochen werden anspruchsvoll. Die Wasserstände an Rhein und Donau bleiben vorerst sehr niedrig. Deshalb müssen wir jetzt pragmatisch handeln. Wir haben bereits eine Reihe konkreter Maßnahmen umgesetzt – von Ausnahmen beim Lkw-Fahrverbot über zusätzliche Kapazitäten auf der Schiene bis hin zu flexibleren Umschlagsmöglichkeiten. Gleichzeitig arbeiten wir mit den Ländern daran, weitere Engpässe zu vermeiden.
Aber wir schauen nicht nur auf die nächsten Wochen. Seit dem Niedrigwasser im Jahr 2018 haben wir gemeinsam mit der Branche viel dafür getan, Deutschland widerstandsfähiger gegen solche Ereignisse zu machen. Diesen Weg gehen wir weiter: mit niedrigwasseroptimierten Schiffen, besseren Vorhersagen und Informationen, aber auch mit dem Ausbau wichtiger Wasserstraßen. Mein Ziel ist klar: Wir wollen jetzt gemeinsam mit sicheren Lieferketten durch diese Niedrigwasserphase kommen – und beim nächsten Mal noch besser vorbereitet sein.
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz:
Die historisch niedrigen Pegelstände machen mir Sorgen, die Binnenschifffahrt in Bayern ist quasi nicht mehr möglich. Jetzt ist es wichtig, unsere Vorhaben konsequent und entschlossen voranzutreiben. So müssen wir etwa beim Ausbau der Donau vorankommen, flussbauliche Maßnahmen zur Verbesserung der Abladetiefe rasch anpacken. Auch einen verbesserten Hochwasserschutz denken wir mit. Außerdem müssen wir alle technischen Möglichkeiten nutzen – etwa mehr Schiffe mit geringem Tiefgang einsetzen, die für Niedrigwasser geeignet sind. Dafür brauchen wir Förderprogramme des Bundes und der EU.
Ich bin Bundesverkehrsminister Bilger dankbar, dass er das Thema anpackt. Gemeinsam haben wir uns vergangene Woche ein Bild vom Niedrigwasser in der Donau gemacht. Auch die Verkehrsministerkonferenz hat schon mehrfach über die Probleme durch Niedrigwasser gesprochen, zuletzt vergangene Woche bei einer Sondersitzung. Glücklicherweise gibt es noch keine Lieferengpässe. Trotzdem müssen wir die Lage genau beobachten und für mehr Flexibilität im Güterverkehr sorgen. Deswegen ist es richtig, dass Bayern und mehrere andere Bundesländer das LKW-Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen vorübergehend gelockert haben. Wir stehen auch in dieser Situation fest an der Seite der Wirtschaft und unserer Transport- und Logistikbranche! Die Produktion muss weiterlaufen, Wirtschaft und Landwirtschaft sind auf funktionierende Transporte angewiesen.
Bund und Länder haben bereits verschiedene Maßnahmen auf den Weg gebracht oder umgesetzt:
- Mehr Flexibilität für den Straßengüterverkehr: Mehrere Länder haben bereits Ausnahmen vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot sowie von den Regelungen der Ferienreiseverordnung ermöglicht. Weitere Länder werden gebeten, entsprechende Ausnahmen für Transporte und Leerfahrten zuzulassen, die unmittelbar oder mittelbar mit der Bewältigung der Niedrigwasserfolgen zusammenhängen.
- Großraum- und Schwertransporte erleichtern: Bund und Länder prüfen im Zusammenhang mit der Niedrigwasserlage bei Transporten bis 44 Tonnen das Kriterium der Unteilbarkeit der Ladung auszusetzen. Damit können zusätzliche Transportmöglichkeiten für die Wirtschaft geschaffen werden, ohne die Infrastruktur pauschal von den geltenden Genehmigungsverfahren auszunehmen. Zudem soll die Ausnahme vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot sowie von der Ferienreiseverordnung auch auf betroffene Großraum- und Schwertransporte ausgeweitet werden.
- Baustellenmanagement auf der Autobahn: Die Autobahn GmbH überprüft und koordiniert Baustellen so, dass vermeidbare Einschränkungen für Ausweichverkehre reduziert werden. Bereits vorgenommene Anpassungen wurden von Verbänden und Wirtschaftsvertretern ausdrücklich begrüßt.
- Zusätzliche Kapazitäten auf der Schiene: Die DB InfraGO stellt im Rahmen der verfügbaren Kapazitäten zusätzliche Trassen für den Güterverkehr auf der rheinparallelen Hauptachse bereit. Gleichzeitig wird geprüft, ob Bau- und Instandhaltungsmaßnahmen angepasst werden können. Für niedrigwasserbedingte Zusatzverkehre gibt es einen zentralen Ansprechpartner bei DB InfraGO. DB Cargo organisiert gemeinsam mit weiteren Unternehmen zusätzliche Kapazitäten, insbesondere beim rollenden Material.
- Erleichterter Umschlag: Das Bundesverkehrsministerium hat die Vorgaben für vom Bund geförderte Umschlaganlagen des Kombinierten Verkehrs bis zum 30. September 2026 flexibilisiert. Während der Niedrigwasserperiode können dort auch Güter umgeschlagen werden, die nicht Teil eines klassischen Kombinierten Verkehrs sind. Dadurch werden beispielsweise auch Umschläge von Schüttgütern ermöglicht.
- Alternative Wasserwege: Für Verkehre zwischen den ARA-Häfen (Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen) und dem Ruhrgebiet steht mit dem Dortmund-Ems-Kanal und dem westdeutschen Kanalnetz eine Ausweichroute zur Verfügung. Die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt hat dafür einen Krisenstab eingerichtet. Unter anderem wurden Instandsetzungsarbeiten an der Schleuse Wanne-Eickel verschoben, um die alternative Route verfügbar zu halten.
- Gefahrgut pragmatisch handhaben: Die zuständigen Länder haben hier teilweise schon gehandelt, andere prüfen aktuell die Überwachungsbehörden zu bitten, bei der Überwachung der Verlagerung besonders gefährlicher Güter die derzeit eingeschränkten Transportmöglichkeiten auf der Wasserstraße zu berücksichtigen. Ziel ist eine pragmatische Anwendung der bestehenden Regelungen, ohne Abstriche bei der Sicherheit.
Eine verkehrsträgerübergreifende Koordinierungsrunde Niedrigwasser am Rhein unter Leitung von Staatssekretärin Dr. Claudia Elif Stutz wird gemeinsam mit den Rheinanlieger-Ländern fortgesetzt. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere das weitere Baustellenmanagement auf Straße, Schiene und Wasserstraße sowie die Entwicklung der Verkehrslage.
Langfristig: Deutschland besser gegen Niedrigwasser wappnen
Neben den akuten Maßnahmen setzt das Bundesverkehrsministerium auf eine langfristige Strategie. Seit dem Extremniedrigwasser im Jahr 2018 arbeiten Bund, Schifffahrtsgewerbe und verladende Industrie im Rahmen des Aktionsplans „Niedrigwasser Rhein“ gemeinsam daran, die Folgen extremer Niedrigwasserereignisse zu begrenzen.
Seitdem wurden unter anderem die Wasserstandsvorhersagen deutlich verbessert. Mit dem seit Juli 2026 verfügbaren Niedrigwasserinformationssystem NIWIS steht zudem erstmals ein bundesweit einheitliches Lagebild zum Niedrigwasser zur Verfügung. Auch die Wirtschaft und das Schifffahrtsgewerbe haben ihre Vorsorge verbessert – unter anderem durch niedrigwasseroptimierte Schiffe, optimiertes Notfallmanagement sowie zusätzliche Lager- und Umschlagkapazitäten. Diesen erfolgreichen Austausch will das Bundesverkehrsministerium gemeinsam mit Ländern, Industrie und Schifffahrtsgewerbe fortsetzen. Dabei sollen Erfahrungen aus dem Rhein auch für andere Wasserstraßen nutzbar gemacht werden.
Bundesminister Bilger:
Wir haben seit 2018 wichtige Lehren gezogen und viel umgesetzt. Das zeigt sich gerade jetzt: Wir können früher reagieren, besser informieren und Transporte gezielter organisieren. Aber Resilienz entsteht nicht über Nacht. Deshalb müssen wir weiter in unsere Wasserstraße investieren und die Infrastruktur konsequent an die Herausforderungen des Klimawandels anpassen.
Eine zentrale Rolle spielt die Verbesserung der Befahrbarkeit wichtiger Wasserstraßen. Am Mittelrhein zwischen Mainz und St. Goar treibt das Bundesverkehrsministerium die Abladeoptimierung mit hoher Priorität voran. Mit dem im Juli 2026 in Kraft getretenen Infrastruktur-Zukunftsgesetz steht das Vorhaben im überragenden öffentlichen Interesse. Dies schafft zusätzliche Möglichkeiten für eine beschleunigte Planung und Genehmigung. Auch am Niederrhein zwischen Stürzelberg und Duisburg wird die Abladeverbesserung sukzessive fortgeführt. Mit dem Teilabschnitt Bockum-Krefeld konnte im Juli 2026 bereits ein erster Abschnitt erfolgreich abgeschlossen werden. Für den Ausbau der Donau stellt der Bund 750 Millionen Euro für Ausbau- und Hochwasserschutzmaßnahmen bereit. Ein erster Bauabschnitt wurde Anfang 2024 für den Verkehr freigegeben; mit einem weiteren Bauabschnitt wurde im Oktober 2025 begonnen.
Zudem soll das Förderprogramm des Bundes für den niedrigwasseroptimierten Umbau von Binnenschiffen fortgesetzt werden. Bundesverkehrsminister Bilger will die dafür notwendige Finanzierung in die laufenden Beratungen zum Bundeshaushalt 2027 einbringen.
Bundesminister Bilger:
Wir müssen unsere Wasserstraßen leistungsfähiger und gleichzeitig die Schiffe fit für Zeiten mit wenig Wasser machen. Genau deshalb treiben wir die wichtigen Ausbauprojekte voran und wollen die Förderung niedrigwasseroptimierter Schiffe fortsetzen. Bei dem Ausbau behalten wir die Belange des Umweltschutzes stetes im Blick. Mit diesem Ansatz schaffen wir mehr ökonomische und ökologische Resilienz – nicht nur für die aktuelle Situation, sondern dauerhaft.